Review Nyctophobia Neckbreaker.de

Dass aus den Niederlanden nicht nur Käse kommt, das beweisen HYMIR, die sich nach dem gleichnamigen Reifriesen aus der Edda, dem Vater des Kriegsgottes Tyr und auch unter dem Namen „der Finstere“ bekannt, benannt haben. Passenderweise nennen sie ihr Debütalbum „Nyctophobia“ – Die Angst vor der Dunkelheit. Leider – oder vielleicht auch zum Glück – konnte man der Versuchung widerstehen, „Fear Of The Dark“ zu covern, was hier auch herrlich gepasst hätte. Doch Maiden sind sicher nicht der Stil des Vierers aus dem schönen Utrecht. Denn da schielt man ganz eindeutig und unüberhörbar Richtung DIMMU BORGIR und CRADLE OF FILTH, geht jedoch weniger bombastisch zu Werke und klingt dadurch nicht so überladen wie die berühmten Vettern.

Dabei klingt man bei den ersten Tönen des Openers „Nightmarish Illumination“ noch leicht nach CHILDREN OF BODOM. Doch das gibt sich recht schnell und der Song tendiert Richtung DIMMU. Schon bei diesem Stück bemerkt man die Klasse des Albums. HYMIR setzen auf Bombast, besitzen jedoch das Geschick, es nicht zu übertreiben. Sänger Pablo de Groot, der übrigens auch für Coverartwork und Logo verantwortlich ist, kann mit seinen Vocals und Screams die düstere Atmosphäre des Songs perfekt verstärken.

Auch das an NAGLFAR erinnernde „Let The World Be Cold“ ist ein starker Song, wenn auch das Orchester aus der Dose etwas arg künstlich wirkt. Auch das etwas „schlichter“ gehaltene „Poltergeist“ klingt nach NAGLFAR zu „Sheol“-Zeiten, doch schon mit „Fractal Deliberation“ kehrt man wieder in DIMMU BORGIR-Gefilde zurück. Bei diesem Song fällt ein kleines Manko der Platte besonders auf: Die Drums sind etwas zu sehr in den Hintergrund gemischt, könnten markiger klingen.

Der Doppelschlag „And Sorrow Turned To Death (Part I und II)“ ist ein gelungenes Stück Musik, das den ausnahmslos guten bis sehr guten Rest der Platte einläutet, auch wenn seine ruhigen Zwischenparts dem Song etwas den Fluss nehmen. „Soul Monolith“, „What The Moon Reveals“ und der Titelsong „Nyctophobia“ sind allesamt starke Songs, die sich vor nichts und niemandem verstecken müssen.

Insgesamt fragt man sich eigentlich nur, wie zur Hölle es die Band geschafft hat, bisher noch keinen Plattenvertrag an Land zu ziehen. Vor so einem starken Debüt, das noch dazu in Sachen Produktion keine Vergleiche mit Labelacts scheuen muss, kann man nur den Hut ziehen. Einziger wirklicher Kritikpunkt: Man könnte etwas eigenständiger klingen. Wenn man jedoch bedenkt, dass es sich bei „Nyctophobia“ um das Erstlingswerk der Band handelt, ist jedoch zu erwarten, dass sich in Zukunft ein eigener Stil herausbilden wird. Wer auf DIMMU BORGIR und/oder CRADLE OF FILTH steht, sollte diese Band auf jeden Fall mal antesten.

Ranking: 7/10

5 March 2014 Reviews